Heft 22

WELLENGANG Magazin für Seefahrt und Maritime Erinnerung
← Magazin 19. Mai 2026
Hafen · 6 min

Hamburger Hafen, Mai 2026 — die Erweiterungs-Debatte zurück

Das Volksbegehren Hafen-Erweiterung Moorburg-Süd sammelt Unterschriften. CDU und SPD positionieren sich vorsichtig, die HHLA-Bilanz zeigt Volumen unter Plan.

Hamburg hat ein neues altes Thema. Im April 2026 hat ein Volksbegehren mit dem Titel „Hafen-Erweiterung Moorburg-Süd — Ja zum Welthafen” begonnen, Unterschriften zu sammeln, um eine Erweiterung des Containerterminal-Geländes nach Süden in Richtung des ehemaligen Kraftwerksstandorts Moorburg planungsrechtlich vorzubereiten. Bis Mitte Mai sind nach Angaben der Initiative rund 38.000 der erforderlichen 65.000 Unterschriften zusammen. Die Frage, ob Hamburg überhaupt mehr Containerumschlag-Kapazität braucht, oder ob das Volumen wegen der Renaissance der Antwerpen- und Rotterdam-Korridore strukturell wegbricht, ist seit dem Frühjahr wieder offen.

Die Zahlen

Die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) hat ihre Q1-Zahlen am 6. Mai vorgelegt. Containerumschlag an den Hamburger Terminals Burchardkai, Altenwerder und Tollerort: 1,82 Millionen TEU. Das ist 3,4 Prozent unter Vorjahr und 6,1 Prozent unter Plan. Die Begründung des Vorstands: schwächere Asien-Volumen aufgrund der Suez-Premium-Effekte, höhere Anteile von Direktanläufen in Rotterdam und Antwerpen, sowie ein anhaltender Trend, dass Bremerhaven für RoRo-Verkehre die schnelleren Slots bietet. Der CEO der HHLA, Angela Titzrath, hat bei der Bilanz-Pressekonferenz erstmals offen gesagt, dass Hamburg „strukturelle Volumen-Verluste an die ARA-Häfen sieht”, ohne daraus eine Erweiterungs-Forderung abzuleiten.

Politik

Die regierende Koalition aus SPD und Grünen in Hamburg ist gespalten. Die SPD-Fraktion stützt das Volksbegehren rhetorisch, fordert aber keine eigene Bürgerschafts-Initiative. Die Grünen warnen vor zusätzlicher Flächenversiegelung im Süderelb-Raum und verweisen auf Naturschutzauflagen rund um das alte Kraftwerksgelände, die in jeder Erweiterungsplanung jahrelange Verfahren bedeuten würden. Die CDU-Opposition hat sich grundsätzlich für eine Erweiterungs-Option ausgesprochen, fordert aber eine Wirtschaftlichkeits-Studie vor jeder politischen Entscheidung — eine Position, die in der Stadthaus-Logik als „dafür ohne Bekenntnis” gelesen wird.

Was Lotsen sagen

Die Hamburger Lotsenbrüderschaft Elbe hat sich Anfang Mai mit einer ungewöhnlichen Stellungnahme in die Debatte eingebracht. Sie argumentiert: Selbst wenn das Container-Terminal-Gelände nach Moorburg-Süd erweitert würde, bliebe das Engstellen-Problem auf der Unterelbe ungelöst. Die größten Schiffsklassen (Ultra Large Container Vessels, ULCV) können Hamburg ohnehin nur bei Hochwasser und mit eng getakteten Lots-Schichten anlaufen. Eine Terminal-Erweiterung ohne parallele Fahrrinnen-Anpassung sei „eine Investition in zusätzliche Kapazität, die wir nicht bedienen können”. Diese Position wird in der Diskussion zurzeit auffallend wenig zitiert — wir tragen sie hier nach.

Was im Juni folgt

Wenn das Volksbegehren bis Ende Mai die nötigen Unterschriften zusammenbekommt, geht die Vorlage an die Bürgerschaft, die entweder zustimmt oder einen Volksentscheid für Herbst 2026 ausruft. Die HHLA hat für Anfang Juni eine eigene Strategie-Vorlage angekündigt, in der die Erweiterungs-Frage erstmals offiziell adressiert werden soll. Im Juni-Heft begleiten wir die Schritte mit einer ausführlichen Reportage aus dem Burchardkai — wie ein Schicht-Wechsel der Brückenfahrer um 6 Uhr morgens aussieht und was die Beschäftigten von der Erweiterungs-Debatte halten.


Ressort: Hafen